HÖFER,P., Die Varusschlacht. Leipzig 1888
Die Varusschlacht, ihr Verlauf und ihr Schauplatz. Leipzig, Verlag von Duncker & Humblot, 1888.
8vo. XI S., 1 Bl., 333 S. Mit Kartenskizze auf S. 333. Schlichter, zeitgenössischer Halbleinen.
Bedeutende historisch-altphilologische Monografie vom deutschen Historiker und Prähistoriker Paul Höfer (1845–1914). Das Buch gilt als ein klassisches Werk der im 19. Jahrhundert heftig entbrannten wissenschaftlichen Debatte um den tatsächlichen Ort und die militärischen Details der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. Im späten 19. Jahrhundert erlebte die Erforschung der Varusschlacht einen Höhepunkt. Nachdem der berühmte Theodor Mommsen 1885 die These aufgestellt hatte, die Schlacht habe bei Kalkriese (Moor-Pass von Barenau) stattgefunden, gerieten viele ältere Theorien ins Wanken. Paul Höfer trat in seinem Werk von 1888 dieser ‚Mommsen-Hypothese‘ vehement und methodisch fundiert entgegen. Höfers Ziel war es, auf Basis einer akribischen Analyse aller verfügbaren antiken Schriftquellen (u. a. Tacitus, Cassius Dio, Velleius Paterculus) und der Topografie Nordwestdeutschlands eine logische und militärisch plausible Rekonstruktion zu liefern. Höfer lehnte Kalkriese als Ort der Hauptschlacht ab. Zum Zeitpunkt seiner Forschung (1888) gab es dort noch keine systematischen archäologischen Ausgrabungen, sondern lediglich Münzfunde. Höfer suchte den Schauplatz und die Marschroute der Römer weiter südlich und östlich, im Raum des heutigen Westfalen und Ostwestfalen-Lippe (nahe Herford und dem klassischen Teutoburger Wald). Obwohl die moderne Archäologie seit den späten 1980er Jahren in Kalkriese überwältigende antike Funde freigelegt hat und der Ort heute als wahrscheinlichstes Schlachtfeld gilt, bleibt Höfers Werk für die Wissenschaftsgeschichte von hohem Wert. Seine präzisen logistischen Berechnungen und seine Argumente gegen Mommsens damalige Kernargumente werden von Historikern, die den genauen Verlauf der römischen Marschroute rekonstruieren wollen, bis heute zitiert.
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