ROTTECK,C.v., Lehrbuch des Vernunftsrechts. 01.-02.A. 4 Bde. Stgt. 1834-40
Lehrbuch des Vernunftsrechts und der Statswissenschaften. 1.-2., verbess. u. verm. Aufl. 4 Bde. (in 3 Bdn. gebunden). Stuttgart, Hallberger’sche Verlagshandlung, 1834-1840.
8vo. (I, 2.A. 1840:) XX, 320, (II, 2.A. 1840:) XII, 340 S.; (III, 1.A. 1834:) 510 S., 2 Bll., XIV S.; (IV, 1.A. 1835:) 480, XIV S. Zeitgenössische Halbleinenbände mit Buntpapierbezug, geprägten Rückentiteln und Marmorschnitt. (St.a.T., Papier stellenw. stärker gebräunt).
Ausgabe letzter Hand! – Das Lehrbuch ist das theoretische Hauptwerk des badischen Historikers, Politikers und liberalen Denkers Carl von Rotteck (1775-1840). Das Werk gilt heute als eine Variante des deutschen vormärzlichen Frühliberalismus. Rotteck verbindet darin die Rechtsphilosophie von Immanuel Kant mit einer originellen Abwandlung von Jean-Jacques Rousseaus Gesellschaftsvertrag (Contrat social). Er vertritt die Ansicht, dass das Naturrecht (Vernunftrecht) überzeitliche Gültigkeit besitze und das historisch gewachsene, oft absolutistische Recht schrittweise ablösen müsse. Er vertrat also, gleichsam als Spätaufklärer und als Gegener der Historischen Rechtsschule, ganz anders als Dahlmann und Welcker, einen rein im Vernunftrecht wurzelnden doktrinären Liberalismus, der sich voll und ganz zur Volkssouveränität bekannte. Ihm war “Freiheit ohne Einheit” lieber als “Einheit ohne Freiheit”. Der doktrinäre, an Rousseau gemahnende Zug, kommt auch in seinem vorliegenden Hauptwerk voll zum tragen. Rotteck hat – der romantischen Begeisterung für das Mittelalter entgegenstehend – das Bild vom finsteren Mittelalter geprägt. Er unterstützte die konstitutionelle Monarchie, verneinte aber den preussischen Staat mit zunehmender Schroffheit. – Nach seinem Studium der Rechte in Freiburg/Breisgau wurde er 1798 Professor der Weltgeschichte in Freiburg. Obwohl er nie wissenschaftlich oder kritisch gearbeitet hat, hat er dennoch mit seiner “Allgemeinen Geschichte” (9 Bde, 1812-1827) ein sehr großes Publikum erreicht und das Geschichtsbild des deutschen Bürgertums im 19. Jahrhundert entscheidend bestimmt. 1818 wurde er Professor für Vernunftrecht und Staatswissenschaften. In der zweiten badischen Kammer (seit 1831) trat er – gemeinsam mit Welcker – als Führer der liberalen Opposition auf. Nach dem Hambacher Fest 1832 zwangsweise in den Ruhestand versetzt, wurde Rotteck Mann des Volkes und über Baden hinaus eine Autorität des Liberalismus. Durch ihn wurde Baden und der badische Landtag zur “eigentlichen Schule des vormärzlichen Liberalismus” (Schnabel). Obwohl das Lehrbuch wissenschaftlich präziser ausgearbeitet war als seine populären Geschichtswerke, blieb seine langfristige Wirkung in der Rechtswissenschaft überschaubar. Weitaus größere politische Berühmtheit erlangte Rotteck kurz darauf durch die Herausgabe des monumentalen Rotteck-Welckerschen Staatslexikons ab 1834, das zur ‘Bibel’ des deutschen Bürgertums vor der Revolution von 1848 wurde. – I. Lehrbuch des natürlichen Privatrechts; II. Lehrbuch der allgemeinen Staatslehre; III. Materielle Politik (Der besonderen Staatslehre erster Band); IV. Oekonomische Politik (Der besonderen Staatslehre zweiter Band).
Order Number: 32001AB
Rare Book: EUR 320,--

