GROTIUS,H., De Veritate Religionis Christianae. Ed. nova. Paris 1640
De Veritate Religionis Christianae. Mit: Annotata ad libros De Veritate Religionis Christianae. Editio nova, additis annotationibus in quibus testimonia. Paris, sumptibus Seb. Cramoisy, typographi Regii, 1640.
Kl.-8vo. Tb. mit Siegel, 6 Bll., 213 S., (Annotata:) (217-) 581 S., 1 Bl. Zeitgenössischer Ganzlederfranzband mit geprägtem Rückentitel und Rotschnitt. (stellenw. stärker bestoßen, ob. und unteres Kapital am Rücken abgelöst).
Meilenstein der christlichen Apologetik! – Grotius verfasste den Kern des Werkes ursprünglich um 1620 als didaktisches Gedicht in niederländischer Sprache (‚Bewijs van den waren godsdienst‘). Zu dieser Zeit saß er aufgrund von religiös-politischen Konflikten im Zuge des Remonstrantenstreits in der Festung Loevestein in Haft. Nach seiner spektakulären Flucht in einer Bücherkiste übersetzte und erweiterte er den Text in Paris zu der bekannten lateinischen Prosa-Fassung. Das Werk erschien zuerst 1627 in Paris. Das Buch gilt als ein Meilenstein der christlichen Apologetik, da es versuchte, den christlichen Glauben auf einer rationalen und allgemein verständlichen Ebene zu begründen. Grotius wählte bewusst einen rationalen Ansatz, der sich weniger auf dogmatische Kirchenlehren stützte, sondern auf historische Beweise und die menschliche Vernunft. Dadurch wollte er eine gemeinsame argumentative Basis schaffen, die sowohl konfessionsübergreifend von verschiedenen christlichen Strömungen als auch im Austausch mit Nicht-Christen genutzt werden konnte. Das Buch entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller und wurde im 17. und 18. Jahrhundert in zahlreiche Sprachen übersetzt (darunter Englisch, Deutsch, Französisch, Arabisch und Persisch). – Das Werk ist in sechs Bücher unterteilt, die systematisch aufgebaut sind. Buch 1 bis 3 (Verteidigung des Christentums): Grotius argumentiert für die Existenz Gottes, die Unsterblichkeit der Seele und die historische Zuverlässigkeit der Evangelien sowie der Wunder Jesu. Buch 4 (gegen das Heidentum): Eine rationale Widerlegung polytheistischer und paganer Religionen. Buch 5 (gegen das Judentum): Eine theologische Auseinandersetzung mit dem jüdischen Glauben, bei der er aufzeigt, warum Jesus aus christlicher Sicht der verheißene Messias ist. Buch 6 (Gegen den Islam): Eine kritische Auseinandersetzung mit den Lehren des Korans und Mohammeds. – Grotius (1583-1645) war also nicht nur Jurist und Begründer des Natur- und Völkerrechts, er war zudem Historiker und Theologe. Sein theologisches Verständnis muss auch im Zusammenhang mit seinem Hauptwerk gesehen werden, wie überhaupt alle gesellschaftlichen Systementwürfe Ausdruck christlichen Glauben sind. Die theologischen Schriften von Grotius beleuchten diesen Hintergrund. – Vgl. Ter Meulen 951.
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