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TIEDJE,J., Denkschrift über die Schleswigsche Frage. 3 Tle. Berlin 1919

Schleswig – TIEDJE, Johannes,

Denkschrift über die Schleswigsche Frage. Streng geheime Drucksache Nr. 43 der Geschäftsstelle für die Friedensverhandlungen (Auswärtiges Amt), Stücke 41, 76 und 105. 3 Tle. in 1 Band. Berlin, Reichsdruckerei, 1919.

4to. 28, 141, 80 S. Mit zahlr. Tabellen u. 1 Karte im Anhang. Zeitgenössischer Halbleinen mit Buntpapierbezug. (St.a.T.).

In der Schleswigschen Frage nach dem Ersten Weltkrieg steht der Name Johannes Tiedje (1879-1946, Ministerialbeamter und Landrat von Flensburg) für einen bekannten Kompromissvorschlag zur Grenzziehung zwischen Deutschland und Dänemark im Jahr 1920, die sog. ‚Tiedje-Linie‘. Nach dem Ersten Weltkrieg sah der Versailler Vertrag Volksabstimmungen zur Staatszugehörigkeit im Herzogtum Schleswig vor. Nordschleswig stimmte im Februar 1920 zwar mehrheitlich für Dänemark und sollte deshalb en bloc an Dänemark gehen, allerdings stimmten geschlossene Enklaven und große Städte im Süden dieser Zone – wie Tondern, Sonderburg und Apenrade sowie wichtige Umlandgemeinden – mit teils deutlichen Mehrheiten für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. Tiedje schlug eine geschwungene, weiter nördlich verlaufende Grenze vor. Diese sollte die deutschen Mehrheitsgebiete um Tondern, Hoyer, Tingleff und Teile des Sonderburger Raumes bei Deutschland belassen. Sein Ziel war ein ethnisches Gleichgewicht. Auf beiden Seiten der neuen Staatsgrenze sollten ungefähr gleich starke Minderheiten (Dänen südlich, Deutsche nördlich der Grenze) leben. Die Linie sollte zudem verhindern, dass gewachsene wirtschaftliche und infrastrukturelle Räume im südlichen Nordschleswig zerschnitten werden. Obwohl der Vorschlag zeitweise Eindruck auf die Internationale Kommission machte, fand die Tiedje-Linie letztlich kein Gehör. Die dänische Regierung bestand auf der sogenannten ‚Clausen-Linie‘, die der Südgrenze der Zone I (Nordschleswig) entsprach. Diese wurde im Juni 1920 als neue offizielle Staatsgrenze etabliert und bildet bis heute unverändert den Grenzverlauf zwischen Deutschland und Dänemark. Der Begriff der ‚Tiedje-Linie‘ blieb in der Zwischenkriegszeit ein zentrales Symbol für die deutsche Revisionspolitik im Grenzland zu Dänemark. – Tl. 1: Geschichtlicher Überblick mit urkundlichen Anlagen; Tl. 2: Die territoriale Frage; Tl. 3: Gutachten über Kirche und geistiges Leben.

Bestellnummer: 31780AB

Antiquariat: EUR 120,--